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Gerade ...

… als diese Site erstellt wird, im April 2026 liegt mein letzter großer Lauf fünf Monate zurück (mein zweiter NY-Marathon am 02.11.2025)
und ich kämpfe damit, 30′ am Stück laufen zu können.
Ich habe acht Kilo zugenommen und bereite mich auf einen Firmenlauf Ende Mai vor.
Außerdem steht dieses Jahr noch ein Nachtlauf im August in Dresden an, dann hänge ich die Laufschuhe, so wie es heute aussieht,
aber komplett an den Nagel.

Den ersten, der insgesamt zehn Marathons, die ich gelaufen bin, war …

Rom I (20.03.2011)

Laufbericht, den ich im Jahr 2011 für die Zeitschrift 'Runners' verfasst hatte

Tute le strade portano a roma
–alle Wege führen nach Rom

Schon  einmal, im Jahr 2003, gerade einmal zehn Minuten am Stück laufen könnend,  hatte ich  in einem Anflug von Übermut und Selbstüberschätzung den Plan, mich für den nächsten stattfindenden Marathon anzumelden.

Ich war seinerzeit gerade einmal 2 Wochen „trocken“, bzw. hatte eine Trinkpause eingelegt,  das Lauftraining, mit dem ich begonnen hatte, war aber eher etwas, um nach außen zu zeigen: „Seht her, ich bin doch gar kein Alkoholiker, kann doch selbstbestimmt leben, trainiere jetzt sogar und lebe gesundheitsbewusst“.

Kurze Zeit später platzte diese Blase schon wieder, aber in eine LangzeitAEB habe ich mich noch im gleichen Jahr begeben und lebe seit dem abstinent.

Ernsthaft mit dem Laufen begann ich erst Jahre später, 2009, quasi als Konsequenz, mit dem Rauchen aufgehört zu haben. Eine „Alternativbeschäftigung“ musste her. Etwas wofür es sich lohnte, auf die Glimmstängel zu verzichten. Seit gut 1 ½ Jahren trainiere ich nunmehr regelmäßig bis zu 4 Einheiten pro Woche. 2009 lief ich meinen Ersten 10-er, im März 2010 den ersten Halbmarathon und dieses Jahr, am 20.03. war mein Marathondebüt.

Aus mehreren Gründen entschied ich mich für Rom als Wettkampfstätte. Erstens ist dort Ende März schon mit durchaus frühlingshaften Temperaturen zu rechnen, zweitens ist die Zeitbegrenzung für das Durchlaufen des Zieles mit 7 Stunden sehr angenehm für Marathonneulinge, drittens liebe ich Italien allein schon wegen des mediterranen Klimas, aber auch wegen der Mentalität der Italiener und außerdem hat man bei diesem Lauf auch ganz neben bei noch jede Menge Sigth-Seeing. Auch das Teilnehmerfeld ist übersichtlich. Mit ca. 12.600 angemeldeten Läufern hat Rom ungefähr 1/3 der Startplätze, die in New York oder Boston antreten. Mein Ziel bestand darin, nicht gerade als Letzter und doch aufrechten Ganges die Distanz zu bewältigen. Ich hatte mir vorher die Ergebnisse aus den Jahren 2009 und 2010 im Internet angesehen und malte mir aus, dass ich, wenn ich mit 6 Stunden abschneiden würde, so ungefähr noch 100 Läufer hinter mir ließe. Start und Ziel des Marathon war das Colosseum, Rom wohl bekanntestes Bauwerk, von dem die Legende weiß, dass wenn es einmal komplett zerstört würde, die ganze Stadt unterginge.

In der Startaufstellung befanden sich neben den besagten knapp 12.600 Marathoni auch noch ca. 80.000 weitere Läufer, die unmittelbar nachdem das Hauptfeld über die Linie gelaufen ist auf eine 4 km lange kleinere Runde geschickt wurden, den so genannten  ROMAFUN – „La Stracittadina“ – einen nicht wettbewerblichem Lauf, der dem Marathonfest sein unverwechselbares Gesicht verleiht. Hier ist quasi die ganze Stadt mit eingeladen und zelebriert den Tag wie ein Fest. Für uns Maratoni ging es vorbei am Circo Massimo, der Engelsburg, dem Vatikan, der olympischen Stadt, der Villa Ada, dem Piazza de Popolo, der Spanischen Treppe, dem Trevibrunnen und wieder vorbei am Palatin zum Colosseum zurück. Eine nicht ganz ebene und vor allem auf dem letzten Kilometer noch einmal ansteigenden Strecke mit wechselnden Untergründen (inkl. knapp 7-km-Kopfsteinpflaster). Bemerkenswert, für so eine pulsierende Metropole ist, dass der Verkehr auf dem gesamten Kurs blockiert wird, selbst Autobahnabschnitte des Stadtrings wurden gesperrt. In den Einkaufsstraßen, die es zu passieren galt, musste allerdings teilweise im Zickzack um Passanten herummanövriert werden, da sich einige Fußgänger nicht an die Absperrungen hielten, war wohl auch etwas zu viel verlangt, zumal die meisten Geschäfte ganz regulär geöffnet hatten.

Ich lief sehr entspannt und versuchte vom Start an, sehr gleichmäßig, das Tempo zu laufen, dass ich mir ausgerechnet hatte. Alle 5 km gab es Verpflegungsstände mit Wasser, Energiedrinks und lecker Obst. Dazwischen jeweils auf der Hälfte noch zusätzlich Stände an denen in Wasser getränkte Schwämme ausgegeben wurden. Superdurchorganisiert und alles in ausreichender Menge vorhanden –großes Lob an dieser Stelle an die Organisatoren. Das Wetter war nahezu ideal, ganz leichter Gegenwind, sonnig – aber nicht zu warm und trocken.

Meine Taktik ging auch auf. Während mich auf den ersten 20 km, noch viele Läufer überholten und scheinbar vor Energie strotzten, bewegten sich die meisten von ihnen ab der Halbmarathondistanz nur noch schleichend oder allenfalls schnell gehend vorwärts. Ich hingegen hatte noch genügend Reserven, auch die verbleibenden Kilometer laufend, wenn auch nicht schnell, zu absolvieren. Ohne völlig erschöpft zu sein, bog ich auf die Zielgerade ein, konnte noch einen Sprint einlegen und finishte in 05:39:57 – gut 20 Minuten schneller, als ich gedacht hatte.

Ich war super zufrieden, stolz und glücklich. Ohne Gottes Hilfe, dem ich auch meine Trockenheit verdanke und ohne die vielen Gebete die ich selbst und Freunde für mich gesprochen haben, hätte ich es wohl kaum geschafft,  aber der Himmel ist nicht leer und Gott nur ein Gebet weit entfernt.

So denke ich denn bereits laut über Helsinki 2012 nach – denn nach dem Marathon ist vor dem Marathon und schließlich will ich mit 50 Jahren in New York laufen und dass ist nur noch 4 Jahre hin. 

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